Tierarztpraxis Robert Frideres

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Biber in der Eifel

Im Bereich der nördlichen Eifel gibt es schon seit vielen Jahren eine sich vermehrende Biberpopulation, welche derzeit überwiegend aus dem Kanadischen Biber besteht, die vermutlich von ursprünglich aus Tierparks entwichenen oder freigelassenen Tieren stammt. In Deutschland war früher ausschließlich der Europäische Biber beheimatet.
Da es in unserer Landschaft keine natürlichen Feinde mehr für Biber gibt und auch der Lebensraum auf einige naturbelassene Bachtäler beschränkt ist, hat man über die Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie Rheinland-Pfalz e.V. ein Kastrationsprogramm für Kanadische Biber ins Leben gerufen. Die Biber werden mit Futter in Lebendfallen gelockt, es wird eine genetische Bestimmung durchgeführt und die Kanadischen Biber werden nach Kastration und Markierung mit einem Mikrochip wieder in die Freiheit entlassen.

Der Kanadische Biber

Der Kanadische Biber (Castor canadensis) ist eines der größten heute noch vorkommenden Nagetiere und erreicht eine Körperlänge von 90 bis 115 cm und ein Gewicht von 18 bis 32 kg. In der Regel sind in der Tierwelt die Männchen größer als die Weibchen. Beim Biber ist es umgekehrt, allerdings ist der Größenunterschied nicht wesentlich.
Schaut man sich den Körperbau des Bibers an, fällt ein sehr dichtes und wasserdichtes Fell auf, das eine rotbraune bis schwarzbraune Färbung aufweist. Die kleinen, dunkelbraun gefärbten Augen des Bibers sind bereits ein erstes Indiz für dessen überwiegende Nachtaktivität und weisen als Besonderheit die sog. NickhautDie Nickhaut, oder auch oft "drittes Augenlid" genannt, ist eine zusätzliche Bindehautfalte im nasenseitigen Augenwinkel.
Beim Menschen und den meisten Primaten ist sie nur rudimentär.
Bei vielen anderen Wirbeltieren ist sie transparent und kann wie eine Schutzbrille vor das Auge geklappt werden.
auf, die zum Schutz unter Wasser dient.

Die Vorderbeine sind im Vergleich zu den Hinterbeinen kürzer und dienen dem Biber zum Festhalten von Nahrung und beim Halten von kleineren Stämmen und Ästen. An den kräftigen Hinterbeinen befinden sich kleine Schwimmhäute zwischen den Zehen, die für zusätzlichen Antrieb im Wasser sorgen. Die zweite Zehe an den Füßen der Hinterbeine ist eine "doppelte Kralle" und zudem stark verlängert. Sie dient dem Biber als sogenannte Putzkralle, mit deren Hilfe er sein Fell - wie mit einem Kamm - säubert.

Die Zähne

Die Schneidezähne eines Bibers erreichen eine Länge von 25 bis 33 mm.

Eines der wohl markantesten Merkmale des Bibers sind die kräftigen Schneidezähne, mit denen er selbst große Bäume fällen kann. Ein Biber ist durchaus in der Lage, innerhalb einer Nacht einen Baum mit einem Durchmesser von einem halben Meter zu fällen. Da die Schneidezähne ein Leben lang nachwachsen, müssen sie benutzt werden, um die normale Länge permanent beizubehalten. Das Außergewöhnliche an den Schneidezähnen des Bibers ist nicht nur deren Länge. Ihre auffallend bräunlich-orange Färbung erhalten sie durch die Ablagerung von Eisen, das als Verstärkung der Zahnaußenwand dient.

Vermehrung und Nachwuchs

Mit gut drei Jahren erreicht der Kanadische Biber seine Geschlechtsreife. Nach einer Tragezeit von gut 100 bis 105 Tagen wirft das Weibchen in ihrer Biberburg zwischen einem und vier Jungtieren. Die jungen Biber kommen weit entwickelt zur Welt. Ihre Augen sind bereits geöffnet und die Jungtiere könnten theoretisch schon am ersten Tag schwimmen.

Das Geburtsgewicht des Bibers liegt zwischen 300 und 500 g.
Die Körperlänge beträgt 30-35 cm.

Nach der Geburt werden die Jungbiber in der Regel ca. 90 Tage lang gesäugt, bevor sie abgesetzt werden. Ab der zweiten Lebenswoche verlässt das Jungtier erstmals den Bau. In der dritten Woche nimmt der Nachwuchs bereits feste Nahrung zu sich. Nach gut zwei Jahren ist der junge Biber bereit, ein eigenes Revier zu besiedeln. In Freiheit kann der Biber ein Alter zwischen 10 und 15 Jahren erreichen. In Gefangenschaft oder ohne natürliche Fressfeinde kann er deutlich älter werden. So wurden schon Exemplare gesichtet, die ein Alter von 30 Jahren hatten.

Kontrollierte Vermehrung durch Kastration

Am Anfang einer beginnenden Ansiedlung von Bibern wächst die Population zunächst sehr langsam, auch bedingt dadurch, dass es üblicherweise nur zu einem Wurf pro Jahr kommt. Durch die fehlenden natürlichen Fressfeinde kann eine Population dennoch sehr schnell ansteigen. Nicht zuletzt aus diesem Grunde ist eine aktive Kontrolle und Regulierung der Population durch Kastration unumgänglich. Bei der Kastration werden die für die Fortpflanzung notwendigen Geschlechtsorgane operativ entfernt. Die eigentliche Operation wird unter Vollnarkose durchgeführt. Der Biber ist dabei also vollkommen schmerzfrei.

Freilassen in die Natur

Auch wenn es noch so banal erscheinen mag, stellt das anschließende Freilassen des Bibers in die Natur immer wieder ein besonderes Ereignis dar. Sowohl Betreuer eines Biber-Territoriums als auch die aktiven Helfer lassen es sich nur selten nehmen, bei diesem Ereignis dabei zu sein.

Für Interessierte haben wir ein kurzes Video über die Freilassung zusammengestellt.

Wer sich gerne einmal Biber in freier Natur mit Biberdämmen und Biberburgen anschauen möchte, sollte durch das Irsental, Alfbachtal, Bierbach, oberes Prümtal oder Mannerbachtal eine Wanderung unternehmen. Bitte Geduld, Zeit und ein Fernglas mitnehmen!
Gelegentlich werden auch geführte Wanderungen angeboten.

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Kontakt

Stefanie Venske
Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie Rheinland-Pfalz e.V.
- Biberzentrum -
Telefon: 06393 / 993406